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Outrun the Sun @ ZUT

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„Outrun the Sun“ – unter diesem Motto startete am vergangenen Wochenende eine Staffel bestehend aus ASICS-Läufern, um von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang das Mont-Blanc-Massiv zu umrunden. Am Ende hieß es „mission accomplished“. Nach gut 15 Stunden erreichten die Läufer wieder den Startort Chamonix.

So hochgesteckt waren meine eigenen Ambitionen beim Zugspitz Ultratrail am letzten Samstag nicht. Ich hatte meine Stirnlampe (inkl. Ersatzlampe) nicht nur in meinen Laufrucksack gepackt, weil es der Veranstalter so vorschrieb, sondern ich ging auch sicher davon aus, mindestens den langen und schweren Abstieg von der Bergstation der Alpspitzbahn wieder im Dunkeln absolvieren zu müssen. Doch es kam ganz anders!

Donnerstag, 19.06.2014. Dank Feiertag und Brückentag reisten meine Frau, meine Tochter und ich bereits am Donnerstag nach Grainau. Nach einer gemütlichen Wanderung am Eibsee besorgte ich meine Startunterlagen, wo ich bereits die ersten bekannten Gesichter traf. Am Abend stand dann noch ein letzter lockerer Lauf auf dem Programm. Meinem Aufruf auf FB folgte prompt Hendrik von trailblog.de, wodurch aus „locker“ mal eben nochmals 12 Kilometer und knapp 400 Höhenmeter wurden. Danke für die nette Runde!

Freitag, 20.06.2014. Aufgrund eines Zwischentiefs am nördlichen Alpenrand entschlossen wir uns, zum Bummeln nach Innsbruck zu fahren. Leider hatten wir nicht berücksichtigt, dass auf dem Rückweg am Abend bereits die Rückreisewelle rollen würde. So wurde es letztendlich ziemlich spät, bis wir auf der Pastaparty am Kurzentrum in Grainau eintrafen. Trotzdem war noch genügend Zeit, die gespannte aber auch sehr freudige Stimmung aufzusaugen und mit vielen Bekannten aus der Szene noch letzte Details auszutauschen.

Samstag, 21.06.2014. Endlich! Nach einer (gefühlten) schlaflosen Nacht und all dem Hype in den Tagen (oder sogar Wochen) vor dem Rennen auf diversen Laufblogs und in den sozialen Netzwerken (ich nehm mich da gar nicht aus) war’s endlich soweit. Mit fast identischer Ausrüstung wie in 2013 (sprich mehr oder weniger komplette Salomon Ausrüstung inkl. Speedcross) machte ich mich bereits um sechs Uhr auf den Weg zur Startaufstellung. Die Kontrolle der Pflichtausrüstung lief ohne Probleme. Nach und nach trudelten die über 700 Starter ein. Da ich früh dran war, reihte ich mich ganz vorn zwischen den Profis ein. Was die Pflichtausrüstung angeht, gibt’s da aber schon einen kleinen Unterschied. Die teils minimalistischen Rucksäcke konnten unmöglich die vorgeschriebene Ausrüstung beinhalten. Sei’s drum!

Punkt 7:15 Uhr erfolgte der Startschuss. Während nun normalerweise wie wild losgebrettert wird, wurde in Grainau die Meute erst mal durch den örtlichen Trommlerzug in Zaum gehalten – sehr witzig!

Wir verließen bald Grainau und es folgte der Abschnitt bis zum VP1, teilweise ein sehr flowiger Trail – genau das richtige zum Warmlaufen. Dort traf ich dann auch Matthias, den ich von den Trampelpfadtagen im Taunus kannte, und später auch noch seinen Harzer Laufkumpel Dominik. Nennenswert auf der weiteren Strecke bis zum zweiten Versorgungspunkt bei etwa Kilometer 20 sind die beiden Skipisten-Uphills. Fies steil und landschaftlich nicht unbedingt attraktiv. Aber es lief. Gegenüber der ersten Zwischenzeit aus 2013 bereits 20 Minuten gutgemacht. Hoffentlich würde sich das im weiteren Verlauf nicht rächen.

Nun folgte der schönste Teil der Strecke. Bei Kilometer 30 der dritte VP und dann der lange hochalpine Abschnitt über das Feldernjöchl und den mit knapp 2200 m Höhe höchsten Punkt der Strecke. Bergauf hatte ich einen gleichmäßigen Rhythmus gefunden und bergab spürte ich einfach, dass sich die vielen Höhenmeter im Training auszahlten. So konnte ich kontinuierlich andere Ultratrailer und bald auch die ersten Supertrail XL-Läufer (die starteten eine Stunde später in Ehrwald) überholen. Mein Bruder Carsten versorgte mich inzwischen mit den Zwischenzeiten und Positionen und allmählich freundete ich mich dem Gedanken an, die 16-Stunden-Marke knacken zu können. Während ich auf dem höchsten Punkt noch einige Selfies schoss, konzentrierte ich mich von nun an doch hauptsächlich auf den Rennen.

Auch der erste lange Abstieg bis zur Hämmermoosalm fiel mir relativ leicht. Ich füllte meine Flaschen am VP4, stopfte Bananenhälften in meinen Rucksack und nahm sofort den nächsten Anstieg zum Schanrnitzjoch auf 2048 m in Angriff. Komischerweise konnte ich mich an diesen Abschnitt aus 2013 kaum noch erinnern. Lag vielleicht daran, dass ich im Vorjahr dort schon wesentlich mehr Körner lassen musste. In unangenehmer Erinnerung hatte ich allerdings noch den Downhill zum Hubertushof. Lang und teilweise sehr steil. Kein Wunder – bereits gut die Hälfte der Strecke in den Beinen, machten sich nun doch zum ersten Mal die Oberschenkel bemerkbar.

Ein kurzer Plausch am VP mit Andrea, die auf der 80km-Strecke unterwegs war, und weiter auf der Forstautobahn Richtung Mittenwald. Dort zogen sich die Kilometer wie ein Kaugummi – zumindest mental. Doch meine Beine funktionierten nach wie vor gut und ich nutzte den flachen Abschnitt, um mit meiner Frau zu telefonieren und so das ganze etwas kurzweiliger zu gestalten.

In Mittenwald dann ein kurzer Schreckmoment. Wo war der Verpflegungspunkt? Im Gegensatz zum Vorjahr war dieser einige hundert Meter später. Puh! Dort traf ich dann auch Antje, ebenfalls auf den 80 Kilometern unterwegs und kurz darauf auch Stefan ebenfalls XL-Supertrailer. Das waren immer wieder willkommene Momente mit kurzen Gesprächen, da das Feld der Ultratrailer sich inzwischen schon extrem in die Länge gezogen hatte und oftmals weder vor mir noch hinter mir weit und breit kein weiterer Teilnehmer zu sehen war.

Ab Ferchensee (VP7) bei Kilometer 70 folgte nun der meiner Meinung nach vom Kopf her schwerste Abschnitt – eine schier endlose Forstautobahn, die mit Trailrunning eigentlich rein gar nichts zu tun hat. Doch während ich im letzten Jahr noch nach jeder Kurve hoffte, dass das Elend endlich ein Ende hatte, wusste ich ja heuer, was auf mich zukommen würde. Scheinbar ein Vorteil, da ich auch diesen Teil des Rennens ganz gut hinter mich brachte.

Richtig gemein ist der folgende Kälbersteig runter ins Reintal – steil und mit vielen hohen Stufen gewürzt. Die ersten Supertrailer holte ich nun bereits ein (60km, Start in Leutasch um 9 Uhr), die sich sichtlich abmühten.

Am Ende der Partnachklamm gab’s gegenüber 2013 eine kleine Streckenänderung, so dass nun direkt der lange Aufstieg zum Osterfelderkopf folgte. Nach kurzem Plausch mit Stefan an der VP8 also nochmals 1200 Höhenmeter bergauf. Es wurde zäh. Essen ging nicht mehr und auch zum Trinken musste ich mich zwingen. Doch frisch war dort niemand mehr. Ich hatte sowohl vor mir als auch hinter mir weitere Teilnehmer in Sichtweite, doch niemand schaffte es letztendlich den jeweils vor ihm liegenden einzuholen. Nach endlosen Serpentinen der erlösende VP9 am Längenfelder und endlich Cola! Ich glaub, ich hab mir einen halben Liter reingeschüttet und der zeigte sofort Wirkung. Es lief wieder flüssiger und die durchgegebenen Zwischenzeiten motivierten mich zusätzlich. Ich hatte gegenüber 2013 auf jedem Abschnitt weitere Minuten und Plätze gutgemacht. Sollte sogar eine Zeit unter 15 Stunden möglich sein?

Während ich letztes Jahr nach den letzten Metern bergauf an der Bergstation der Alpspitzbahn meine Stirnlampe aufsetzen musste, war es dieses Mal noch taghell. Geil! Die untergehende Sonne zauberte eine geniale Stimmung auf die Trails. Ich war wieder im Runner’s High! Die Strecke war im oberen Abschnitt halbwegs trocken und so konnte ich mich richtig in den Downhill schmeißen. Nach über 90 Kilometern ein wirklich unglaubliches Gefühl nochmals richtig Tempo machen zu können. Nach lediglich 46 Minuten für die 1300 Höhenmeter bergab erreichte ich nach 14:33 Stunden als 40. der Gesamtwertung (AK40 16.) das Ziel. Unfassbar! Das Rennen meines Lebens! Alleine für diesen Moment lohnen sich all die Mühen! Ich nahm dankend einige Glückwünsche entgegen (erwähnen möchte ich vor allem Carsten, der trotz frischer OP angereist war, super!) und genoss die Atmosphäre. Tomm, mit dem ich einen gemeinsamen letzte Ultra vor dem ZUT im Urdonautal absolvierte strahlte ebenfalls über das ganze Gesicht: er wurde über die 80 km grandioser Dritter! Da haben wir in der Vorbereitung wohl alles richtig gemacht.

Eigentlich hatte ich vor, noch auf den einen oder anderen bekannten Läufer im Ziel zu warten, doch die Kälte schlich sich dann doch recht schnell in meinen Körper, so dass ich bald zum Hotel zurückkehrte. Dafür begab ich mich in der Früh nochmals in den Zielbereich, um den letzten Finishern zu applaudieren. Nach über 25 Stunden auf den Beinen ganz großer Respekt!

Schön, dass es neben den offiziellen Bildern von sportograf (die heuer wirklich tolle Aufnahmen schossen) auch einige weitere schöne Aufnahmen gibt. Hier gilt der Dank insbesondere Philipp (Double-Selfies auf dem Feldernjöchl), Christian (am Aufstieg zum Scharnitzjoch) und Robert von Trails.Trips.Relax.

Der Lauf meines Lebens

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Eines vorweg: der ausführliche Bericht zum Zugspitz Ultratrail 2014 muss noch ein paar Tage warten – zu viele Eindrücke und Emotionen, die verarbeitet werden müssen.

Für diejenigen, die meine Live-Reportage auf FB nicht mitverfolgt haben (war dieses Jahr eh etwas spärlich), hier die Auflösung der Zahlenspielerei vom letzten Blog-Beitrag:

Gesamtrang 40 (AK 16) in 14:33:48 Std. Ich kann’s ehrlich gesagt immer noch nicht wirklich fassen, meine Zeit vom letzten Jahr um über 1,5 Stunden verbessert zu haben. Da hat einfach alles gepasst! Ich hatte kein wirkliches Tief, jede Menge Spaß mit bekannten und (bisher) unbekannten Läufern, genoss die Anfeuerungen der Zuschauer …

Wie gesagt, ausführlicher Bericht folgt. Ein paar Impressionen gibt’s trotzdem schon mal.

Zahlenspielereien zum ZUT

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Nur noch 11 Tage und ein paar Stündchen, dann ist es wieder soweit: 100 km und 5400 (positive) Höhenmeter stehen beim Zugspitz Ultratrail in Grainau auf dem Programm. Zeit also für ein paar Zahlenspielereien (Vergleichszeitraum jeweils bis einschließlich KW23):

2013 2014
Gelaufene Distanz gesamt 1.775 km 1.500 km
Gelaufene (positive) Höhenmeter gesamt 27.500 Hm 39.000 Hm
Anzahl Ultras 4 6
Anzahl Laufeinheiten 89 80
Durschn. Distanz 20 km 19 km
Durschn. (pos.) Höhenmeter 310 Hm 490 Hm
Gesamtumfang (alle Sportarten) 258 h 252 h
Ergebnis ZUT 16:08:22 h ???

Eigentlich will ich mich ja nicht unter Druck setzen. Doch beim zweiten Mal ist’s halt doch irgendwie anders. Während ich bei der Premiere letztes Jahr „Finishen“ als primäres Ziel anpeilte, hab ich nun schon irgendwie die Zeit vom letzten Jahr im Hinterkopf. Und rein von den (Trainings-)Fakten sieht’s ja auch nicht schlecht aus. Zwar weniger Kilometer, dafür mehr Augenmerk auf Höhenmeter. Und auch vom Kopf her bin ich guter Dinge. Doch es gibt so viele weitere Faktoren: Tagesform, Wetter, Beschaffenheit der Trails, …

Schau ‚mer einfach mal 😉

Apropos Vorbereitung: auch dieses erste wirklich sommerliche Wochenende war ich natürlich nicht untätig. Um der großen Hitze etwas aus dem Weg zu gehen, verlagerte ich meine Einheiten auf den späten Abend bzw. frühen Morgen. Herausgekommen sind nochmals zwei schöne Touren im Urdonautal und rund um Harburg.

Impressionen aus dem Urdonautal (dort wird übrigens zur Zeit ein neuer Weg markiert, der die meisten „meiner“ Trails beinhaltet, nähere Infos demnächst unter http://www.urdonautalsteig.de/).

Frühmorgens, aber trotzdem schon sehr schweißtreibend – rund um Harburg.

Zugspitz-Ultratrail – Der Bericht

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Was war das für ein emotionaler Moment, nach knapp über 16 Stunden um die letzte Kurve zu biegen, durch den Zielbogen zu laufen und tief bewegt zu realisieren: ja, ich hab’s gepackt, ich war 100 Kilometer auf den Füßen und hab dabei fast fünfeinhalbtausend Höhenmeter bezwungen!

Doch der Reihe nach.

Im Gegensatz zum Highlight 2012, dem Swissalpine K78, wo ich noch im Auto übernachtete und direkt nach dem Rennen wieder heimfuhr, gönnte ich mir heuer zwei Übernachtungen im Hotel (man wird ja schließlich nicht jünger). Ich reiste also gemütlich am Freitag an, um mir stressfrei die Startunterlagen zu besorgen und beim anschließenden Briefing ein paar Trampelpfadläufer, die ich teilweise beim 1. Taunus Trailrunning Wochenende kennen gelernt hatte, zu treffen. Zu den Peitschenhieben der Goaßlschnalzer wurde Pasta gefuttert und fleißig fachgesimpelt.

Zurück im Hotel packte ich erst mal sehr akribisch meinen Laufrucksack. Ich ging mehrmals durch die Liste der Pflichtausrüstung, um sicher zu stellen, dass auch ja alles dabei war. Erste Zeichen von Nervosität!

Doch dann kam die Nacht und die war wirklich Horror! Im Zimmer war’s trotz geöffnetem Fenster reicht heiß. Ich hatte das Gefühl, dass meine Füße allmählich immer weiter anschwellen würden. Ich tränkte ein Handtuch mit kaltem Wasser und wickelte meine Füße darin ein, was aber auch nicht wirklich half. Der reinste Psychoterror! Irgendwann bin ich dann wohl doch eingeschlafen, allerdings bevor der Wecker um fünf klingelte auch schon wieder aufgewacht. Der Spuk mit den Füßen hatte sich aber Gott sei Dank erledigt.

Die Wirtin des Hotels, Frau Richter, war bereits um vier Uhr morgens aufgestanden, um uns Läufern das Frühstücksbuffet herzurichten – klasse Service!

Anschließend ging es mit folgender Ausrüstung zur Startaufstellung:

  • Salomon Speedcross 3

  • Salomon Exo S-Lab Zip Tee Kurzarmtrikot

  • Salomon Exo Wings Twinskin Short

  • CEP Kompressionsstrümpfe

  • Salomon Advanced Skin S-Lab 12 Set Laufrucksack mit vorgeschriebener Pflichtausrüstung

  • Armlinge

  • Gore Running Wear Laufcap

Während sich der Startblock langsam füllte, traf ich auch Sebastian. Wir hatten vor, das Abenteuer so weit möglich gemeinsam zu bestreiten. Pünktlich um 7:15 Uhr fiel der Startschuss.

So ein Rennen teilt man sich ja in Abschnitte ein. Man konzentriert sich auf das nächste Teilstück und lässt sich auch nicht von Schildern wie “95 km to go” irritieren. So spulten wir ganz locker die ersten 10 km bis zur ersten Verpflegung am Eibsee herunter. Die 500 Höhenmeter bis dort hin bereiteten keine Probleme.

Bis V2, bereits nach 18 km, kamen nochmals gut 600 Höhenmeter hinzu, die dann doch ab und an eine deutlichen Temporeduzierung erzwangen. Beim ersten nennenswerten Downhill allerdings, hinunter zur Talstation der Ehrwalder Zugspitzbahn, kam der Flow. Ich war richtig drin im Rennen! Gerne wäre ich weiter zusammen mit Sebastian gelaufen, bis dahin haben wir sehr gut harmoniert. Doch bei so einer Distanz muss letztendlich jeder seinen eigenen Rhythmus finden. Sebastian, ich hoffe Du hast mir das nicht übel genommen!

Das folgende Teilstück war recht abwechslungsreich: steile Skipisten wechselten mit Forststraßen und wirklich fies steilen Singletrails, ehe ich die dritte Verpflegungstelle auf der Ehrwalder Alm auf 1617 m Höhe erreichte. Nach immerhin 29 km und 1900 positiven Höhenmetern also Zeit, die Speicher wieder richtig aufzufüllen. Leider hab ich es wohl etwas übertrieben, denn kurze Zeit später quälten mich massive Magenkrämpfe. Die behinderten mich zwar nicht wesentlich am Weiterkommen, doch vom Kopf her war das schon ein kleiner Tiefpunkt, noch nicht einmal nach der Hälfte des Rennens.

Dafür ging es nun endlich in hochalpine Regionen. Mit Feldernjöchl, Wannigjöchl und Steinernes Hüttl ein stetiges auf und ab auf einer Höhe um die 2000m. Die Sicht betrug teilweise kaum mehr als 20m, die Strecke war allerdings durch den Veranstalter PlanB ausgezeichnet markiert, so dass man nie Angst haben musste, plötzlich irgendwo alleine in der Pampa zu stehen. Für besondere Action sorgten die Schneefelder. Das längste (ich schätze mal 200m) war mit einem Fixseil gesichert. Die Hacken also in den Schnee gerammt, das Seil in die Hand und ab gings! Gemeinerweise befand sich am Ende ein richtig schönes Matschloch, in dem sich einige Teilnehmer unfreiwillig suhlten. Auf den folgenden 500 Höhenmetern Downhill zur Hämmermoosalm meldeten sich dann zum ersten mal meine Oberschenkel: “He, mach mal etwas langsamer, wir haben gerade mal Marathondistanz!” Ok, Gang raus und an der nächsten Verpflegung statt Gel zwei Stück Kuchen und eine Banane geschnappt.

Ich hielt mich nie besonders lange an den Verpflegungsstationen auf. Flaschen aufgefüllt und weiter. Bei etwas langsamerem Tempo gegessen und dann wieder möglichst schnell den Rhythmus gefunden. Das war auch nötig, denn es folgte mit dem Scharnitzjoch der nächste harte Brocken, wieder 600 Höhenmeter Anstieg. Irgendwie hab ich diesen Abschnitt gar nicht mehr so präsent. Liegt vermutlich daran, dass sich dort das Feld schon ziemlich in die Länge gezogen hatte und ich die meiste Zeit alleine, in Gedanken versunken, unterwegs war. Gut erinnern kann ich mich allerdings an den anschließenden 1000 Höhenmeter Downhill. Vor allem die letzten Kilometer waren richtig steil. Psychologisch vorteilhaft war nun aber, dass die Hälfte der Strecke und knapp 3500 Höhenmeter schon geschafft waren.

Am Hubertushof, der fünften Verpflegung, schlürfte ich zum ersten Mal Suppe (mit extra viel Salz). Außerdem hätte dort ein kurzer ärztlicher Check stattfinden sollen. Vermutlich lag’s daran, dass ich die Zuschauer zu einer La Ola-Welle animierte, warum mich der Arzt einfach durchgewunken hatte. Drop-Bag mit Wechselwäsche hatte ich nicht abgegeben. Schließlich schleppte ich ja eh einen Rucksack vollgestopft mit der Pflichtausrüstung mit mir rum.

Die nächsten knapp 10 Kilometer empfand ich als ziemlich zäh. Ein ebener, ausgelatschter, breiter Wanderweg und weder vor mir noch hinter mir Läufer in Sicht. Um so besser, dass mich Nicole und Michael mit Sohnemann Felix genau dort an der Strecke unterstützten. Die drei hatten ihren Tagesausflug extra so gelegt, um mich an der Strecke zu treffen und mich mit ein paar extra Leckerlis zu versorgen: Cola, Michschnitte und Kinderpingu (der Geheimtipp!). Super Aktion und sehr motivierend!

Bis auf einen Schluck Wasser konnte ich die Verpflegung in Mittenwald somit links liegen lassen. Die folgenden knapp fünf Kilometer Trail bis zum Ferchensee liefen recht locker. Inzwischen ja wieder auf deutschem Boden, postete ich meine aktuellen Positionen fleißig bei Facebook, was sehr rege mit allerlei Anfeuerungskommentaren beantwortet wurde. Quasi als Ersatz für die fehlenden Zuschauer an der Strecke, wirklich toll!

V7 nutzte ich zum gefühlten 20. Mal, um Steine aus meinen Schuhen zu entfernen, bevor der vielleicht anstrengendste Teil kam. Eine breite Forstautobahn, mit Anstiegen, die zum Laufen knapp zu steil waren, aber beim Gehen endlos erschienen. Und das bei Kilometer 75. Der Charakter der Strecke änderte sich aber schlagartig kurz vor V8. Ein teils schmaler technischer Trail, mit hohen Stufen, vielen Wurzeln und 400 Höhenmetern hinunter auf 800m Höhe. Hier überholte ich die ersten Supertrailer, die zwei Stunden nach uns in Leutasch starteten, um die 70-km-Strecke in Angriff zu nehmen. Die hatten teilweise wirklich hart zu kämpfen!

Finale!

Vor den letzten 20 Kilometern mit nochmals 1200 Höhenmetern Anstieg zur Bergstation der Alpspitzbahn und 1300 m Abstieg ins Ziel legte ich mir folgende Taktik zu recht: rauf alles geben, runter wird dann schon noch irgendwie gehen!

Kurz nach der Verpflegung gab mir mein Bruder via FB den aktuellen Zwischenstand durch: Platz 92. Wow! Die Top100 wären klasse. Ab da war ich im Runner’s High. Ich fand einen Mitläufer (zugegeben, beim letzten Anstieg gab’s wenig Stellen, wo man tatsächlich laufen konnte), dem es ähnlich gut zu gehen schien wie mir. Und so sammelten wir Läufer um Läufer ein und windeten uns Serpentine um Serpentine hoch zur Talstation Längenfelder, was gleichzeitig die vorletzte Verpflegung darstellte. Kaum zu glauben, dass es auf die 90 Kilometer zu ging, noch nie zuvor war ich so weit gelaufen.

Die nun folgende Forststraße hoch auf 2029 m zur Bergstation war voll am Anschlag. Trotzdem war’s genial. Die Sonne war inzwischen untergegangen, Abendrot legte sich über die Bergsilhouette und der Vollmond begleitete uns. Was für eine Stimmung. Wenn mich jemand fragt, warum ich mir so etwas antue, dann sind das genau diese Momente, unbeschreiblich!

Am höchsten Punkt angekommen war’s inzwischen ziemlich dunkel. Auch wenn die Bergwacht nicht darauf hingewiesen hätte, hätte wohl spätestens dort jeder seine Stirnlampe ausgepackt. Viele Teilnehmer (die meisten waren inzwischen eingeholte Supertrailer, die Abstände zwischen den Ultraläufern waren ziemlich groß) nutzten außerdem die Gelegenheit, sich richtig einzupacken. Ich zog mir lediglich eine leichte Mütze über und stürzte mich in den letzten Downhill. Der technischste Teil der gesamten Strecke, nass, dunkel und 90 km in den Beinen. Die Rundhölzer, mit denen die Stufen befestigt waren, waren wirklich fies. Bei Trockenheit hätte man sich dort richtig gut Schritt für Schritt abstützen können, doch die Dinger waren glatt wie Schmierseife. Die Kunst war nun, ein nicht unnötig hohes Risiko einzugehen, aber trotzdem irgendwie im Flow zu bleiben. Vielleicht war es ja auch meine Erfahrung durch unzählige Trainingsläufe bei Nacht, die mir beim Abstieg geholfen hat. Denn es lief super. Die Lichter der Ortschaften im Tal kamen schnell näher und so bog ich gegen 23 Uhr auf die Asphaltstraße in Grainau. Die letzten zwei Kilometer, letzte Kurve, Zielbogen und wir wären wieder beim Ausgangspunkt der Geschichte.

Besonders grandios war, dass Orkan, Martin und Carsten, die den Base- bzw. Supertrail gelaufen waren, immer noch im Ziel auf mich warteten und mich jubelnd begrüßten. Dieser Moment hat sich jetzt schon fest in mein Sportlergedächtnis eingebrannt!

Bei Erdbeerkuchen und ein paar alkoholfreien Weizen tauschten wir unsere Erlebnisse aus und warteten schließlich noch auf Sebastian, um auch ihn gebührend zu feiern. Hat man das Funkeln in den Augen der Läufer gesehen, wie sie durchs Ziel laufen, dann weiß man, was uns antreibt.

Nicht vergessen möchte ich, den Organisatoren von PlanB ein ganz großes Lob auszusprechen. Angefangen beim Briefing, der hervorragenden Markierung der Strecke, der Verpflegung, dem stets freundlichen Helferinnen und Helfern, da gibt’s nichts auszusetzen.

Enttäuscht bin ich allerdings von den Fotos der Agentur Sportograf. Lediglich zwei Positionen, keine Bild von den Hochgebirgspassagen, das war nix! Statt Facebook-Liveberichterstattung werde ich mich beim nächsten Mal wohl wieder auf’s Knipsen konzentrieren müssen (oder beides 😉

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Distanz: km | Höhe: +m -m |
Zugspitz-Ultratrail 47.472474, 11.026711 Zugspitz-Ultratrail