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Grand Canyon Rim-to-Rim-to-Rim

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Las Vegas – eine Stadt wie eine Filmkulisse, die so gar nicht zum Laufen einlädt. Trotzdem hatte ich auf meiner Geschäftsreise dorthin natürlich meine Laufsachen dabei, bin einmal den „Strip“ abgelaufen und drehte sogar eine morgendliche Runde mit gleichgesinnten Konferenzteilnehmern.

Als ich im Vorfeld der Reise die Karte rund um Vegas studierte, sprang mir ein Punkt sofort ins Auge: der Grand Canyon! Für amerikanische Verhältnisse „nur“ gut 400 km entfernt. Da sollte doch was gehen! Ich erinnerte mich sofort an Berichte über den sogenannten Rim-to-Rim-to-Rim-Lauf, also die doppelte Durchquerung des Canyons, für viele Trailrunner ein „once-in-a-lifetime“ Erlebnis.

Doch das Zeitfenster, das mir zur Verfügung stand, war ziemlich knapp. Bis ich nach Konferenzende meinen Mietwagen abgeholt hatte und alles gepackt war, war es schon acht Uhr abends. Es folgten 4,5 Stunden langweiliges Highway-Cruisen, ehe ich in Grand Canyon Village um 1:30 Uhr in der Nacht ankam. Nach zwei Stunden Schlaf im Auto gab es zum „Frühstück“ einen ersten Cliffbar. Die Temperaturen waren inzwischen auf knapp über null Grad gesunken, so dass ich erst mal fast alle Laufklamotten anzog, die ich dabei hatte. Mein Auto hatte ich zwischen den beiden möglichen Trailheads der Südseite, von denen jeweils ein Weg hinunter zum Colorado führt, geparkt. So musste ich erst mal knapp vier Kilometer auf dem asphaltierten (und bei Tag extrem aussichtsreichen) Rim-Trail bis zum South-Kaibab Trailhead laufen.

Nun ging’s aber rein ins pure Vergnügen. 1300 Höhenmeter Downhill auf gut 11 Kilometern Länge. Gerade im oberen Teil war der teilweise sehr matschige Trail in der Nacht durchaus anspruchsvoll. Die landschaftliche Schönheit hingegen konnte ich im Dunkeln nur erahnen. Ich kam ziemlich gut voran, überholte drei andere Trailrunner, die ebenfalls das Double-Crossing anpeilten und erreichte bald die Brücke über den Colorado.

Auf dem Bright Angel Campground und der Phantom Ranch herrschte bereits reges Treiben. Da ich komplett auf Selbstversorgung eingestellt war (ausgenommen Wasser), lief ich sofort weiter und nahm den fast 23 Kilometer langen und mit 1700 Höhenmetern gespickten North-Trail in Angriff. Nach einer weiteren Stunde begann es zu dämmern und ich konnte zum ersten mal die atemberaubende Landschaft bewundern. Verrückt! Vor wenigen Stunden noch im surrealen Las Vegas und nun mitten im Trailrunner’s Paradise!

Während das erste Drittel des Nordanstiegs von steilen Felswänden geprägt ist, erinnert der mittlere Teil mit seinen Kakteen und Agaven eher an trockene Steppenlandschaft. Die Steigung bis dorthin ist eher moderat und ich konnte fast alles laufen.

Das letzte Drittel des North-Trail kann man ganz einfach nur als traumhaft bezeichnen! In den Fels geschlagene/gesprengte Pfade und dazu diese einmalige Kulisse. Ich bog um eine Kurve nach der anderen und merkte vor lauter Begeisterung gar nicht, dass ich schon bald 40 Kilometer in den Beinen hatte. Dazu hatte ich ausgesprochenes Glück mit dem Wetter. Nicht zu heiß, aber trotzdem so warm, dass ich auf dem höchsten Punkt, dem Trailhead des North-Trails auf 2460 m von Langarm auf Kurzarm wechselte.

Nach einer kurzen Pause inklusive erstmaligem Auffüllen der Wasservorräte stürzte ich mich in den endlosen Downhill. Mit verändertem Lichteinfall und in umgekehrter Richtung wieder ein landschaftlicher Aha-Moment nach dem anderen. Und im Gegensatz zum Anstieg noch am frühen Morgen konnte ich nun auch die engen Schluchten im unteren Drittel in vollen Zügen genießen.

An der Phantom Ranch legte ich dieses Mal eine kurze Rast ein, ehe ich den finalen Anstieg in Angriff nahm. Nochmals etwa 1300 Höhenmeter auf knapp 16 km Länge. Laufen war nun nicht mehr drin. Nach 60 Km konnte ich aber zumindest die Wanderer flott marschierend überholen, von denen sich einige ganz schön hoch quälen mussten und von der atemberaubenden Landschaft wohl nicht mehr viel mitbekommen haben.

Nach 13,5 Stunden, 80 km und knapp 3400 positiven Höhenmetern war es geschafft. Ich hatte die Nordkante locker noch bei Tageslicht erreicht, schoss die letzten Fotos und nutzte den Rim-Trail bis zum Parkplatz zum Auslaufen 😉

Leider musste ich sofort die Rückfahrt nach Las Vegas antreten, da mein Rückflug bereits für den nächsten frühen Morgen geplant war. Trotzdem hat sich die Aktion natürlich mehr als gelohnt! Once-in-a-lifetime – mindestens 😉

Post-UTMB Interview

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Alle Details, wie es mir beim UTMB ergangen ist, könnt Ihr im folgenden Interview nachlesen.

Herr S.: Hallo Christian, wie geht es Dir gut drei Wochen nach dem UTMB?

Christian: Mir geht es ausgezeichnet. Körperlich hab ich mich sehr schnell erholt und mental schwebst Du nach so einem Event sowieso noch tagelang auf Wolke sieben. Meine selbstauferlegte zweiwöchige Laufpause musste ich deshalb schon nach einer Woche abbrechen 😉

Herr S.: Kommen wir zum Rennen. Wie war das kurz vor dem Start in Chamonix? Konntest Du die Atmosphäre genießen oder warst Du bereits voll fokussiert?

Christian: Beides. Ich war etwa eine Stunde vor dem Start bei der Startaufstellung. Die Gletscher des Mont-Blanc strahlten vor blauem Himmel. Ich hab noch Klaus getroffen, der ebenfalls für Trampelpfadlauf berichtet. Während wir quatschten füllte sich zunehmend der Platz vor der Kirche, bis wir schließlich auch unsere Positionen einnahmen. Man fühlte regelrecht die Spannung aber gleichzeitig auch die freudige Erwartung bei allen Läufern, dass es nun endlich losgehen sollte. Den Start empfand ich als sehr emotional. Unzählige jubelnde Zuschauer säumten die enge Fußgängerzone, darunter auch mein Sohn Niklas, dem trotz großem Trubel ein paar Schnappschüsse von mir gelungen sind. Absolute Gänsehautstimmung!

Herr S.: 2500 Teilnehmer. Kommt es da anfangs nicht zu riesigen Staus?

Christian: Nein, die Streckenführung war günstig gewählt. Die ersten acht Kilometer verliefen flach auf einem breiten Wanderweg. Erst bei den ersten kurzen Aufschwüngen kam das Feld immer wieder mal ins Stocken.

Herr S.: Der Start war ja um 18 Uhr, d.h. es mussten schon bald die Stirnlampen aufgezogen werden?

Christian: Das stimmt. Während der erste richtige Anstieg mit etwa 700 Höhenmetern nach Le Delevret und der anschließende Downhill nach St. Gervais noch gut ohne Licht zu bewältigen waren, ging es anschließend in die Nacht.

Herr S.: Wie war die Stimmung in den Talorten, wo ja zumeist auch Verpflegungsstationen aufgebaut waren? War da auch in der Nacht noch was los?

Christian: Ja, es war unglaublich! Der UTMB wird in den Dörfern wie ein Volksfest gefeiert. Da läufst Du einfach nur mit einem Strahlen im Gesicht durch und klatschst unzählige Kinderhände ab! Dazu bestens ausgestattete Verpflegungsposten und logistisch alles perfekt organisiert.

Herr S.: Nun folgte ja der erste lange Anstieg ins Hochgebirge. Wie erging es Dir?

Christian: Ich war sehr defensiv ins Rennen gestartet und befand mich irgendwo im Mittelfeld. Offensichtlich waren viele bis dahin vor mir liegende Teilnehmer eher (zu) schnell angegangen. Auf den über 20 Kilometern zum Col du Bonhomme auf 2441 Metern überholte ich etwa 400 Läufer. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden und es rollte. Auch auf dem anschließenden 1000 Hm Abstieg nach Les Chapieux hatte ich keine Probleme. Dazu beste Bedingungen bei sternenklarer Vollmondnacht – es war einfach herrlich zu laufen! Auf dem folgenden Asphaltabschnitt konnten wir sogar die Stirnlampen ausschalten und die umliegende Bergwelt genießen.

Herr S.: Doch zum Ausruhen gab es ja nicht wirklich Gelegenheit, oder?

Christian: Nein, denn der nächste Anstieg zum Col de la Seigne hatte es durchaus in sich. Wiederum waren 1000 Höhenmeter zu überwinden und oben blies uns ein regelrechter Fönsturm ins Gesicht. 60 Kilometer bzw. 3800 positive Höhenmeter waren wir dort bereits unterwegs. Das spürt man dann schon mal in den Beinen 😉 Und bevor es hinunter zum Lac Combal ging, baute der Veranstalter noch einen kleinen Schlenker über ein Geröllfeld ein, das ziemlich viel Zeit kostete. Grund hierfür war, dass dort einige Teilnehmer extrem vorsichtig – fast schon ängstlich – unterwegs waren, und Überholen kaum möglich war.

Herr S.: Allmählich neigte sich ja die erste Nacht dem Ende entgegen?

Christian: Ja, glücklicherweise. Denn es war inzwischen ziemlich frisch geworden und ich zog mir zum ersten Mal meine Jacke über. Irgendwie bin ich am Lac Combal davon ausgegangen, dass es bis Courmayeur nur noch bergab gehen würde. Um so überraschter war ich über die 500 Höhenmeter hinauf zum Arret du Mont-Favre. Mein rechtes Schienbein zwickte ein wenig. Doch wir waren eine gute Gruppe zu diesem Zeitpunkt, wechselten uns in der Führung ab und so überstand ich schadlos ein erstes kleines Zwischentief.

Herr S.: Hast du den anschließenden großen Verpflegungspunkt in Courmayeur genutzt, um eine etwas längere Pause einzulegen?

Christian: Nein, ich bin da ziemlich schnell durch. Ich hab mir meinen Dropbag geschnappt, frische Klamotten angezogen, einen Teller Nudeln reingestopft und bin weiter. Die Idee, von meinem Speedcross auf den Inov-8 RaceUltra zu wechseln, hab ich verworfen. Ich bin zwar kurz reingeschlüpft, das hatte sich aber nicht wirklich gut angefühlt. Never change a running system, wie der der IT-ler so schön sagt 😉

Herr S.: Die erste Nacht war nun vorbei, doch es lagen noch etwas mehr als die Hälfte der Strecke und der positiven Höhenmeter vor dir. Wie bist Du mental damit umgegangen?

Christian: Darüber machst du dir keinen Kopf, sondern du konzentrierst dich einfach auf den nächsten Abschnitt. Und der war klasse. Bei wunderschönem Wetter ging es 800 m hoch zur Bertone-Hütte und weiter über einen tollen Trail leicht wellig zur Bonatti-Hütte – immer das Mont-Blanc-Massiv im Blick. Es rollte gut und ich hatte mich bis dahin bis unter die ersten 400 vorgearbeitet. Es folgte ein kurzer Downhill zu einer weiteren Verpflegung, bevor der nächste große Brocken auf dem Programm stand: der Grand Col Ferret, mit 2527 m Höhe gleichzeitig der höchste Punkt der Tour. Es war um die Mittagszeit, ziemlich heiß inzwischen, den ganzen Anstieg kein Schatten und bereits 100 km in den Beinen. Ich musste zum ersten Mal kämpfen!

Herr S.: Wie hat sich das geäußert?

Christian: Als ich am Pass ankam, hab ich erst mal den Rucksack abgenommen und mich für einige Minuten einfach ins Gras gelegt, um mal richtig durch zu schnaufen. Obwohl mir mein Tempo bergauf extrem langsam vorkam, hatte mich kaum jemand überholt. Mit den hohen Temperaturen hatten scheinbar alle ihre Probleme. Die kurze Pause hatte gut getan. Allerdings schmerzten bergab nun meine Schultern. Und das ärgerte mich ziemlich, denn Grund dafür war einfach ein Anfängerfehler: ich bin die ganze Saison mit dem Scott Rucksack gelaufen und war den Salomon offensichtlich nicht mehr gewohnt. Durch Öffnen des oberen Brustgurts konnte ich mir einigermaßen behelfen. Der über 20 Kilometer lange Abstieg mit knapp 1500 Höhenmetern hat sich trotzdem ziemlich gezogen – vor allem die letzten Kilometer auf breitem Wanderweg. Tunnelblickmodus!

Herr S.: Das klingt so, als hättest Du zunehmend Schwierigkeiten bekommen?

Christian: Gott sei Dank nicht. Die knapp 500 Höhenmeter hinauf zur nächsten Verpflegung in Champex-Lac liefen ganz ordentlich und ich konnte sogar weitere Plätze gutmachen. In dem kleinen Örtchen mit wunderbarem See herrschte dann wieder super Stimmung. Ich genoss die Anfeuerungen, hab mir bei der Verpflegung ausreichend Zeit gelassen und sogar kurz mit meinen Lieben zuhause telefoniert.

Herr S.: Nun folgte die zweite Nacht. Machte Dir allmählich die Müdigkeit zu schaffen?

Christian: Nein, gar nicht. Ich hatte nie das Gefühl, schlafen zu müssen. Im Gegenteil. Ich war sogar ganz froh, dass es wieder in die Nacht ging und die Temperaturen damit angenehmer wurden. Allerdings wurde der Kurs nun schwerer. Der folgende Anstieg war ziemlich verblockt. Meine Stöcke waren oft im Weg und die hohen Stufen kosteten viel Kraft. Aber irgendwie erreichte ich auch den nächsten Hochpunkt auf 2000 m Höhe, bevor ich die nächste Station in Trient anpeilte. Inzwischen wieder mit Stirnlampe ausgestattet, war ich dort mit Niklas verabredet, der bereits wartete. Nach 140 km wieder einen vertrauten Menschen anzutreffen empfand ich als sehr angenehm. Auch die frischen Shirts und Socken waren eine Wohltat.

Herr S.: Hattest Du denn sonst noch Kontakt mit der „Außenwelt“?

Christian: Ja. Wie bereits bei früheren Ultras berichtete ich so gut es ging live über Facebook. Die zahlreichen Reaktionen, Aufmunterungen und Anfeuerungen motivierten sehr.

Herr S.: Die letzten 30 Kilometer. Angesichts der bereits zurückgelegten Strecke ja nur noch ein Klacks, oder?

Christian: Naja. Der vorletzte Berg war in der Tat kein großes Hindernis. Zwar wieder etwa 700 Höhenmeter rauf und runter auf einer Länge von jeweils fünf Kilometern, aber relativ gut machbar. Fies wurde es allerdings am letzten „Hügel“. Nicht, dass es nun nochmals 900 Höhenmeter nach oben ging, sondern die Art und Weise war das Gemeine. Unheimlich steil, teilweise riesige Stufen und alles auf hartem Fels. Alle kämpften. Während sich die Stirnlampen hinter mir nicht näherten, hatte ich auch keine Chance, nochmals an Läufer vor mir heran zu laufen. Die Devise war einfach nur durchhalten. Am Tete aux Vents auf 2116 m angekommen, hatte ich nun die Gewissheit, dass es nur noch bergab ging. Außerdem zauberte das Mondlicht bei wiederum sternenklarer Nacht ein wunderbares Glitzern auf die Gletscher des majestätisch thronenden Mont-Blancs. Dem Finish sollte nichts mehr im Wege stehen.

Herr S.: War es denn so?

Christian: Ich hab einen totalen Sicherheits-Downhill hingelegt, um nicht zu sagen, ich bin den letzten Berg hinunter geschlichen. Nur nicht stolpern und sich irgendwie noch dumm verletzen! Die paar Läufer, die mich nun noch überholten, waren mir völlig egal. Niklas meldete sich, er würde bereits im Ziel warten. Um viertel nach fünf in der Früh erreichte ich Chamonix. Ich war froh, endlich wieder Asphalt unter den Füßen zu spüren, und das will was heißen! Niklas war mir entgegengekommen und so liefen wir gemeinsam die letzten Meter durch die Stadt. Stimmungsmäßig zwar eine etwas ungünstige Uhrzeit, doch das spielte nun keine Rolle. Überglücklich überquerte ich nach 35,5 Stunden die Ziellinie. Es war geschafft!

Herr S.: Was überwog in diesem Moment: die Erschöpfung oder die Glücksgefühle?

Christian: Natürlich die Glücksgefühle! Mein Endorphinausstoß war vermutlich am Anschlag. Ich gönnte mir ein Bier und genoss einfach nur den Moment.

Herr S.: Irgendwann muss dann aber doch die Müdigkeit zugeschlagen haben, oder?

Christian: Ich versuchte nach einer ausgiebigen Dusche zurück im Hotel zu schlafen. Aber das hat nach einem Ultra noch nie so richtig funktioniert. Als würden meine Beine weiter laufen wollen. So haben wir uns entschieden, uns wieder auf den Weg zum Zielbereich zu machen, um noch möglichst viel von der tollen Stimmung in Chamonix mitzubekommen. Es war wirklich faszinierend, in die glücklichen Gesichter der Finisher zu sehen. Egal wie groß die Strapazen auch waren, allein dieses Strahlen ist es, wofür sich das Ganze lohnt.

Herr S.: Welche Bilanz ziehst Du persönlich?

Christian: Ich bin natürlich mehr als zufrieden. Nicht nur das Minimalziel, zu finishen, hab ich erreicht, sondern mit einer Platzierung unter den ersten 15% meine Erwartungen übertroffen. Das Training scheint gepasst zu haben. Wie immer ohne Trainingsplan, hab ich mich überwiegend von meinem Gefühl leiten lassen. Zugute kamen mir sicherlich die vielen Nachtläufe in der Vorbereitung. Das hilft vor allem, die mentalen Herausforderungen zu meistern.

Herr S.: Würdest du die Teilnahme am UTMB anderen Läuferinnen/Läufern empfehlen?

Christian: Unbedingt! Wer die Möglichkeiten hat, sich zu qualifizieren, sollte sein Glück versuchen.

Herr S.: So wie ich dich kenne, gibt es bestimmt schon Pläne für 2016?

Christian: Ja, die gibt es. Doch wer jetzt glaubt, ich würde bestimmt den nächsten 100-Milen-Ultra in Angriff nehmen, den muss ich leider enttäuschen. Ich wünsche mir vor allem, dass unser neues Familienmitglied, die Australian Shepherd Hündin Nelly, zu meiner treuen Trainingspartnerin wird. Alles weitere wird sich ergeben.

Herr S.: Vielen Dank und eine schöne Rest-Saison!

Das Interview führte mein treuester Laufbegleiter, Herr Selbstauslöser 😉

Finisher UTMB 2015

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Mein Traum ging in Erfüllung. Am Sonntagmorgen überquerte ich nach 170 Kilometern, 10000 Höhenmetern und 35:29:10 Stunden Laufzeit auf dem 317. Gesamtrang die Ziellinie in Chamonix.

Ich bin immer noch überwältigt. Sobald ich die vielen Eindrücke und Emotionen halbwegs sortiert hab, folgen alle Details.

 

Nach der Arbeit noch schnell auf die Zugspitze

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Der letzte lange Lauf vor dem UTMB sollte folgende Bedingungen erfüllen:

  • Ultra-Distanz
  • ordentlich Höhenmeter
  • Nachtlauf in technischem Gelände, schließlich muss ich beim UTMB gleich durch zwei Nächte

Nach der Arbeit auf die Zugspitze zu laufen würde also perfekt passen, um alle Anforderungen zu erfüllen.

Ich wählte die Variante über das Reintal. Keine Steigpassagen, dafür aber schön langgezogen. Start war direkt am Bahnhof (Anreise übrigens per Fernbus, deutlich billiger als die Bahn). Bei immer noch 30 Grad um 18 Uhr, war das Durchlaufen der kühlen Partnachklamm eine richtige Wohltat. Danach zog sich erst mal eine ziemlich lange Forstwegpassage, ehe diese in einen gut zu laufenden Wanderweg überging. Bis zur Reintalangerhütte auf 1369m war alles laufbar. Steiler wurde es erst im folgenden Abschnitt bis zur Knorrhütte, knapp über 2000m gelegen. Auch diese Hütte passierte ich ohne Pause, um mich weiter auf den Weg über das Zugspitzplatt zum Gipfel zu machen. Inzwischen war’s doch so dunkel geworden, dass ich für den Schlussanstieg ab etwa Sonnalpin meine Stirnlampe benötigte. Das bis dorthin flotte Tempo konnte ich leider nicht mehr halten. Insbesondere die Geröllpassagen raubten mir sehr viel Kraft. Trotzdem war ich nach 4:17h auf dem Gipfel – und das ganz alleine, bei sternenklarer Nacht mit tollem Blick auf die umliegenden beleuchteten Ortschaften. Wirklich sehr lohnend, wenn man bedenkt, welche Menschenmassen sich untertags auf dem Gipfel rumtreiben.

Nach kurzer Überlegung entschied ich mich, auch den Rückweg wieder über die technisch einfache Variante über das Reintal in Angriff zu nehmen. Nachdem ich meine Nahrungsdepots fast schon während des Anstiegs komplett vernichtet hatte, war ich froh, dass die Knorrhütte noch offen war, und ich mir dort zwei Tafeln Schokolade kaufen konnte. Das gab gleich soviel Schub, dass ich auf dem Rückweg noch das Kreuzeck einbaute.

Schließlich erreichte ich nach gut 10 Stunden wieder den Garmischer Bahnhof, wo der erste Bus um kurz vor halb fünf in der Früh schon bereit stand. Perfekt!

Hier der Track.