Schlagwort-Archiv: Nachtlauf

In Sölden durch die Jahreszeiten

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„Winter von seiner schönsten Seite“. Ob die Marketingabteilung des Tourismusbüros von Sölden auch den Winter 2015 damit meinte? Wohl eher nicht!

Mein Sohn Niklas und ich kommen am späten Vormittag in Sölden an. Statt weißer Winterlandschaft werden uns grüne Wiesen bis über die Baumgrenze präsentiert. Nur zwei schmale weiße Streifen erinnern an den Skizirkus. Mein Sohn entscheidet sich trotzdem für die Piste. Ich überlege zunächst, wie ich die Zeit bis zum Start am Abend zum „Vertical Double-k“ überbrücke. Immerhin 2000 Hm+ bis auf 3300m Höhe hoch zum Gletscher. Naja, ein bisschen Warmlaufen kann ja nicht schaden. Zehn Minuten später entkomme ich dem Trubel im Ort und befinde mich auf einem herrlichen Trail in sonniger Westhanglage. Es läuft super und bis zum Start ist ja genügend Zeit. Erst will ich bis zur 2000m-Marke, dann entscheide ich, die 1000 Hm+ voll zu machen. Schließlich marschiere ich – fast völlig schneefrei – bis zum Brunnenkogelhaus auf 2738m. Wohlgemerkt, es ist der 28. Dezember! Ich schieß ein paar Fotos bei frühlingshaften Temperaturen und mach mich auf den Rückweg.

Zurück in Sölden wummert inzwischen ekelhafte Après-Ski-Musik aus den Boxen. Nach einer kleinen Stärkung und Klamottenwechsel treffe ich Stefanie und Sebastian, die mich hoch zum Gletscher begleiten werden. Von den übrigen zahlreichen Interessenten ist leider niemand mehr erschienen. Macht nichts, gibt weniger Ärger mit den Pistenraupenjungs!

Um kurz vor fünf starten wir direkt auf der Piste von der Talstation der Gaislachkogelbahn. Wie Schnee fühlt sich der Untergrund im unteren Abschnitt allerdings nicht an. Und obwohl es allmählich dunkel wird, kommen uns immer noch zahlreiche Wintersportler entgegen. Erst ab der Mautstation sind wir alleine unterwegs. Wir kommen sehr gut voran. Während ich mit Spikes unterwegs bin, haben Stefanie und Sebastian Ketten aufgezogen. Eine Pistenraupe bleibt neben uns stehen, der Fahrer steigt aus und kommt auf uns zu. Oje, jetzt gibt’s Ärger! Doch weit gefehlt. Wir werden lediglich höflich aufgefordert, auf der noch nicht präparierten Spur zu laufen. Kein Problem!

Der Abschnitt bis zum Restaurant am Rettenbachferner zieht sich. Und es wird allmählich frisch. Statt des Weltcup-Steilhangs nehmen wir die Piste 33 um die Gletscherzunge herum. Der Wind bläst uns nun eisig ins Gesicht und auf dem Gletscher wird es schlagartig nochmals ein paar Grad kälter. Wir erreichen die 3000m-Marke und unser Tempo ist nun doch deutlich langsamer als zu Beginn. Auf etwa 3100m Höhe entscheiden sich Stefanie und Sebastian umzukehren. Zu kalt, vor allem an Zehen und Fingern! So nehme ich also die letzten 200 Höhenmeter alleine in Angriff, erst bis zum höchsten Punkt der Piste, anschließend auf einem Trampelpfad bis zur Aussichtsplattform auf 3300m. Daunenjacke an, schnell ein paar Fotos, solange noch ein Restgefühl in den Fingern ist und ab in den Downhill. Mir wird allmählich wieder wärmer und ich muss sogar bald wieder meine Jacke ausziehen. Richtig spaßig ist die schwarze 7er. Noch nicht präpariert flieg ich förmlich im sulzigen Kunstschnee ins Tal. Nach knapp fünf Stunden erreiche ich wieder die Talstation der Gaislachkogelbahn, wo bereits Stefanie und Sebastian warten.

Zugegeben, die Idee war schon etwas verrückt, doch am Ende kam ein genialer Tag in Sölden heraus, mit zwei Touren, bei denen die Bedingungen nicht verschiedener hätten sein können.

Nach der Arbeit noch schnell auf die Zugspitze

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Der letzte lange Lauf vor dem UTMB sollte folgende Bedingungen erfüllen:

  • Ultra-Distanz
  • ordentlich Höhenmeter
  • Nachtlauf in technischem Gelände, schließlich muss ich beim UTMB gleich durch zwei Nächte

Nach der Arbeit auf die Zugspitze zu laufen würde also perfekt passen, um alle Anforderungen zu erfüllen.

Ich wählte die Variante über das Reintal. Keine Steigpassagen, dafür aber schön langgezogen. Start war direkt am Bahnhof (Anreise übrigens per Fernbus, deutlich billiger als die Bahn). Bei immer noch 30 Grad um 18 Uhr, war das Durchlaufen der kühlen Partnachklamm eine richtige Wohltat. Danach zog sich erst mal eine ziemlich lange Forstwegpassage, ehe diese in einen gut zu laufenden Wanderweg überging. Bis zur Reintalangerhütte auf 1369m war alles laufbar. Steiler wurde es erst im folgenden Abschnitt bis zur Knorrhütte, knapp über 2000m gelegen. Auch diese Hütte passierte ich ohne Pause, um mich weiter auf den Weg über das Zugspitzplatt zum Gipfel zu machen. Inzwischen war’s doch so dunkel geworden, dass ich für den Schlussanstieg ab etwa Sonnalpin meine Stirnlampe benötigte. Das bis dorthin flotte Tempo konnte ich leider nicht mehr halten. Insbesondere die Geröllpassagen raubten mir sehr viel Kraft. Trotzdem war ich nach 4:17h auf dem Gipfel – und das ganz alleine, bei sternenklarer Nacht mit tollem Blick auf die umliegenden beleuchteten Ortschaften. Wirklich sehr lohnend, wenn man bedenkt, welche Menschenmassen sich untertags auf dem Gipfel rumtreiben.

Nach kurzer Überlegung entschied ich mich, auch den Rückweg wieder über die technisch einfache Variante über das Reintal in Angriff zu nehmen. Nachdem ich meine Nahrungsdepots fast schon während des Anstiegs komplett vernichtet hatte, war ich froh, dass die Knorrhütte noch offen war, und ich mir dort zwei Tafeln Schokolade kaufen konnte. Das gab gleich soviel Schub, dass ich auf dem Rückweg noch das Kreuzeck einbaute.

Schließlich erreichte ich nach gut 10 Stunden wieder den Garmischer Bahnhof, wo der erste Bus um kurz vor halb fünf in der Früh schon bereit stand. Perfekt!

Hier der Track.

From Dusk Till Dawn

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Zwei Ideen, die ich schon länger im Hinterkopf hatte, hab ich am vergangenen Wochenende zu einem kleinen (Lauf-)Abenteuer verknüpft. Erstens wollte ich schon längst mal von Garmisch nach Füssen laufen und zweitens hielt ich es für eine sinnvolle UTMB-Vorbereitung, mal eine Nacht durchzulaufen.

Ich setzte mich also um 17:30 Uhr in den Zug nach Garmisch, um gegen 20 Uhr Richtung Stepbergalm aufzubrechen, die ich nach etwa eineinhalb Stunden kurz vor Dunkelheit erreicht. Da dort auf gut 1600m Höhe schon ordentlich Schnee lag, entschloss ich mich kurzfristig, die Kreuzspitze, mit knapp 2200m Höhe der höchste Gipfel der Ammergauer Alpen, auszulassen, und stattdessen über Schloss Linderhof eine etwas niedrigere Variante zu wählen. Es folgte der zweite lange Anstieg zum Bäckenalmsattel. Auch dort lag wieder Schnee in Kombination mit ordentlich Matsch.

Nach kurzem Downhill zur Kenzenhütte wurde es richtig hart. Mit Kenzensattel, Geiselsteinsattel und Gabelschrofensattel folgte ein etwa 10 km langer Abschnitt mit geschlossener Schneedecke. Während meist einigermaßen gespurt war, verlor ich diese ausgerechnet etwa 100 Höhenmeter unterhalb des Gabelschrofensattels. Eine extrem steile Rampe mit ca. 50 cm Neuschnee nach 40 Kilometern in der Nacht um halb drei. Nicht nur für die Oberschenkel, sondern auch mental ein hervorragendes Training!

Gottseidank hab ich anschließend bald wieder eine Spur im Schnee gefunden. Ohne GPS wäre ich sowieso total aufgeschmissen gewesen. Obwohl ich die Strecke größtenteils kannte, in der Nacht sieht’s dann doch ganz anders aus.

Der letzte Abschnitt war dann aber kein Problem mehr. Über den Ahornsattel und das Tegelberghaus krönte der Downhill auf dem E4 hinab nach Hohenschwangau diese außergewöhnliche Tour. Die beiden Königsschlösser im Morgengrauen und keine Menschenseele weit und breit – ein tolles Abschlussszenario!

Hier gibt’s den Track.

 

Kleiner-Solo-Nacht-Ultra

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Lange Feierabendrunden am Freitag haben ja schon eine gewisse Tradition hier. Einfach perfekt, um am Ende der Arbeitswoche den Kopf frei zu bekommen. Dieses Mal ging es 45 km durch die hügeligen Wälder zwischen Donauwörth und Harburg. Da ich erst um 20:30 Uhr aufgebrochen war, hat sich die Tour dann doch bis weit nach Mitternacht gezogen. Im Hinblick auf den UTMB, wo es ja durch zwei Nächte gehen wird, auch eine sehr gute mentale Trainingseinheit.

Und was mich natürlich besonders freut: 24 Tage nach der Leisten-OP wieder ein erster Ultra 🙂