Schlagwort-Archiv: Bayrische Alpen

Nachts auf dem Grat

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Nachdem es zuletzt hier auf trampelpfadlaufen.de etwas ruhiger war, wird es Zeit, mal wieder ein Lebenszeichen zu geben. Letzten Freitag stand eine besondere Tour auf dem Programm. Nach der Arbeit bin ich noch mit dem Zug nach Eschenlohe gefahren, um ein paar Gipfel abzuklappern.

Der erste Anstieg auf die Osterfeuerspitze war bei zunehmender Dämmerung gerade noch ohne Stirnlampe möglich. Doch dann wurde es interessant. Laut meiner Karten-App (maps.me, auf Openstreetmap basierende Offline-Karten) sollte der Pfad einfach weiterführen zum nächsten Gipfel, dem Ölrain. Doch auf dem Gipfel der Osterfeuerspitze konnte ich keinen Weg erkennen – trotz Stirnlampe. Also hab ich mich zunächst mal auf mein GPS verlassen und bin dem Grat Richtung Osten gefolgt. Schließlich war doch ein schmaler Pfad zu erkennen, doch trotz meiner hellen Silva X-Trail war dieser Abschnitt schon etwas heikel – die extra Portion Adrenalin 😉

Ab dem Ölrain war’s wieder einfacher. Statt nun direkt zurück nach Ohlstadt zu laufen, entschloss ich mich, mit Buchrain und Hocheck noch zwei weitere Gipfel einzusammeln, alle so um die 1500 m hoch. Dort gab’s richtig tolle flowige Trails.

Nun folgte ein wirklich genialer Downhill. 900 Höhenmeter auf knapp fünf Kilometer Länge – viele Kurven, viele Wurzeln, Felsen – alles war geboten und das bei Mondschein und Stirnlampe.

Da ich noch etwas Zeit bis zum letzten Zug hatte, gab’s zum Abschluss eine kleine Zugabe mit nochmals 200 Höhenmetern und einem wirklich schnellen letzten Downhill, um dann doch nicht noch ein Nachtlager einrichten zu müssen. Punktlandung: nach knapp vier Stunden und 1400 Höhenmetern hatte ich gerade mal Zeit, mich umzuziehen, ehe der Zug schon einfuhr. Feierabend!

Hier geht’s zum Track.

Auf die Benediktenwand (1.801 m)

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Gestern war mein Bruder Carsten in den Bayrischen Alpen unterwegs. Hier sein Bericht:

Montagmorgen, kurz nach halb neun, Wanderparkplatz Benediktbeuern-Gschwendt. Die Benediktenwand steht auf dem Plan. Ich hatte mir dafür im Vorfeld eine schöne Tour mit rund 24 Kilometern und etwas über 1.200 Höhenmetern im Anstieg herausgesucht. Das Wetter liefert, wie man sich es wünscht. Es ist sonnig, nicht zu warm, ein paar Schönwetterwolken, die auch mal Schatten spenden, ziehen von Süden her auf. Das war auch die Richtung, die ich zunächst einschlug, immer der Sonne entgegen, auf der Forstautobahn dem Lainbachtal aufwärts folgend. Doch zum Warmwerden und um den Rhythmus zu finden war das genau das Richtige. Stetig bergan, schlängelt sich der breite Waldweg, zugleich ein Wildbachlehrpfad, immer entlang des Lainbaches durch den schön schattigen Wald. Nach knapp 45 Minuten verließ die Route erstmals den Weg für die Forst- und Almwirtschaft. Ein steiler aber nicht-technischer Anstieg war zu meistern, was gut und flott gelang. Bis abermals der Trail dem gut ausgebauten Fahrweg folgte, was aber aufgrund des bereits schönen Ausblicks zurück bis zum Starnberger See dem ganzen Laufspaß keinen Abbruch tat. Die letzten 20 bis 25 Minuten vor der Tutzinger Hütte führten dann auf einem ersten richtigen Single-Trail mit Steinstufen und größerem Wurzelwerk im Zick-Zack zum ersten Etappenziel auf 1.327 m, wo ich nach etwa 1h 20min kurz durch schnaufte, meinen Wasservorrat auffüllte und den Rundweg zum und über den Gipfel über die steile nord-westliche Route in Angriff nahm.

Es lief wirklich sehr gut bis hier hin und meinen Berechnungen im Kopf zufolge wusste ich nun, da geht was! Also war schnell das Ziel festgelegt, das Gipfelkreuz in weniger als zwei Stunden für den kompletten Anstieg erreicht zu haben. Der Pfad mit wirklich steilen Passagen wurde anspruchsvoller. Große Stein- und Felsstufen wechselten sich mit kräftigen Wurzeln der dicht wachsenden Latschenkiefern ab. Puls und Atmung wurden massiv schneller. Die Oberschenkel liefen langsam heiß. Laufen war nicht mehr, doch mit vorgebeugtem Oberkörper, die beiden Hände fest in die Hüften und auf die Oberschenkel gestemmt, konnte ich in bester Skyrunner-Manier ein gutes Tempo im Stechschritt halten. Immer wieder ließ ich kurz die blicke nach rechts und links schweifen, um das wirklich tolle Bergpanorama (bspw. Wetterstein und Zugspitze im Süd-Westen) zu genießen. Doch konzentrierte ich mich schnell wieder auf den immer schmaler werdenden Single-Trail. Dann wurden auf einmal die Latschenkiefern weniger und dünner, das Gipfelkreuz kam in Sicht. Endspurt und geschafft. Die Uhr zeigte 1h 55min an für 13,8 km und 1.288 Höhenmeter. Darauf bin ich besonders stolz, weil diese Tour für mich ja meine „Berglaufpremiere“ war!

Runter ging es dann über die nord-östliche Route, die teils sehr technische Passagen mit Drahtseilsicherung und hohen Stufen aufwies. Der Fels ist von den Wanderheerscharen an manchen Stellen doch schon sehr abgetreten und recht speckig. Dieses Teilstück gehört auch zur Gratwanderung von und in Richtung Brauneck. Ich allerdings peilte ja wieder die Tutzinger Hütte an. Halb unter der Nordwand der Benediktenwand ließ ich es bergab dann sogar richtig krachen, wohl immer noch stark euphorisiert vom Gipfelerlebnis 🙂

Der spätere Abstieg von der Tutzinger Hütte folgte im ersten Abschnitt dem Zick-Zack-Weg vom Aufstieg, bevor es dann nach gut 20 min über einen Almwiesenpfad in westlicher Route gemäßigt bergab ging. Es folgten abermals ein breiter Forstweg und anschließend sehr schöne Single-Trails einem kleinen Bächlein und dem Waldlehrpfad in Richtung Benediktbeuern, bis ich schließlich nach einer Gesamtlaufzeit von 3h 38min und geschätzten 24,75 Kilometern (leider brach meine GPS-App irgendwann ab und zeichnete die letzten Kilometer nicht mehr auf) beim Freibad in Benediktbeuern am Ziel angelangt war. Mit dem Sprung ins kühle Nass war dieser mehr als gelungene Traillauf ein echtes Highlight in meiner jüngeren Laufsportgeschichte.

Meine Ausrüstung für den Tag:
Asics Fuji Trabuco, CEP Compression Socks, Brooks Laufshort, TNF Funktionsunterwäsche, Nalini Funktionsshirt, Gore Running Cap, Sonnenbrille, Salomon Trinkflaschengürtel (1,2 l), Energieriegel und -gels, iPhone-App von gpsies.com.

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