Hitzeschlacht am Hochkönigman

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Was für ein Rennen! Bei großer Hitze und deutlich längerer Strecke als vom Veranstalter ausgewiesen wurde der Hochkönigman zu einer echten Herausforderung und mit Platz 7 mein bisher bestes Resultat bei einem Ultra-Trail-Wettkampf.

Gut 100 Läuferinnen und Läufer warteten im Dorfzentrum von Maria Alm, um pünktlich um ein Uhr in der Nacht auf die 87 km lange und mit 5500 Höhenmetern garnierte Endurance Strecke geschickt zu werden. Die ungewöhnliche Startzeit erwies sich als großer Vorteil. Wie schon die vorangegangenen Tage waren auch für den Wettkampftag wieder sehr hohe Temperaturen von bis zu 30 Grad angesagt. So konnte man wenigstens die ersten Stunden bei angenehmen Bedingungen versuchen, möglichst viele Kilometer abzuspulen.

Und das gelang mir recht gut. Auf der wunderbar trailigen Strecke fand ich schnell meinen „Flow“. Der Abschnitt entlang des Hochkönigmassivs, der trotz Dunkelheit hervorragend markiert war, war geprägt von vielen kurzen Auf- und Abstiegen, die einen leicht dazu verführen konnten, die Sache etwas zu schnell anzugehen. Dazu kam, dass die erste große Verpflegung erst nach gut 40 Kilometern am Arthurhaus aufgebaut war. Als ich dort allerdings vom Streckenposten erfuhr, dass ich auf Platz 12 liegen würde, war die Euphorie groß. Ich füllte meine Energiespeicher wieder auf und begab mich auf die zweite Hälfte des Rennens.

Die Sonne war inzwischen aufgegangen und glühte kräftig vom Himmel als der erste richtig lange Anstieg von Mühlbach auf den Schneeberg anstand. 1100 Höhenmeter und teilweise sehr steil – spätestens dort war ich heilfroh, meine Stöcke dabei zu haben. Die Markierungen waren in diesem Abschnitt allerdings etwas spärlich ausgefallen, so dass ich mehrmals einen Abzweig verpasste, mit Hilfe meiner GPS-Karte aber immer wieder schnell zurück auf den Track fand.

Nach einigen kleineren Wellen folgte der lange Downhill nach Dienten, wo auch der nächste Verpflegungsposten bereitstand. Außerdem trafen wir dort auf die später gestarteten Teilnehmer der Marathonstrecke. Die Temperaturen kletterten weiter und der höchste Punkt der Strecke, der 2138 m hohe Hundskopf, lag erst noch vor mir. Mein Tempo bergauf war nicht mehr besonders hoch (an Laufen war längst nicht mehr zu denken). Doch die Tatsache, dass die meisten Marathonteilnehmer, die ich nun traf, mindestens genauso leiden mussten wie ich, obwohl sie etwa 40 Kilometer weniger hinter sich hatten, hat mich dann doch motiviert, mit Blick auf die Platzierung wenigstens von keinem Endurance-Starter mehr überholt zu werden.

Am Hundskopf angekommen, gab es nochmals eine letzte Stärkung. Doch wie bereits beim Race-Briefing angekündigt, folgte nun nicht direkt der finale Downhill, sondern nochmals mehrere kleine Gipfel mit teils giftigen Gegenanstiegen, die richtig schön kräftezehrend waren. Irgendwann waren dann aber doch die letzten positiven Höhenmeter überwunden. Zusammen mit einem weiteren deutschen Teilnehmer haben wir hinunter ins Tal nach Maria Alm dann nochmals alle Körner zusammengekratzt und richtig Tempo gemacht. Ziemlich euphorisiert genossen wir die letzten Kilometer durchs Dorf und freuten uns nach knapp 16 Stunden natürlich riesig, als uns der Sprecher im Ziel mit Platz 7 und 8 ankündigte, wo mich auch schon meine Frau und meine Tochter in Empfang nahmen. Was für ein Rennen!

Umso erstaunter war ich, als ich in den Folgetagen relativ viele negative Berichte in den einschlägigen sozialen Medien über den Hochkönigman lesen musste. Da beschwerten sich Teilnehmer teils bitter böse über miserable Markierungen, mangelhafte Verpflegung und falsch vermessene Strecken. Gut, ich hatte am Ende auch knapp 94 km auf der Uhr und es gab tatsächlich Abschnitte, wo die Markierungen hätten besser sein können. Doch was zählt ist doch die Strecke und die war beim Hochkönigman genial. Der Trailanteil war extrem hoch, genau so stelle ich mir einen Trailrunning Event vor. Und wer auch im Training autonom unterwegs ist, sollte in der Lage sein, die Wasserflaschen auch mal an einem Bach füllen zu können. Deshalb mein Rat an den Veranstalter, lasst Euch nicht entmutigen, haltet an dem Konzept fest, den Event nicht zu „über-kommerzialisieren“.